Die neuen Zahlen der KKH zeigen eine Entwicklung, bei der wir genauer hinschauen sollten.
2017 verursachten akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen rund 66 Fehltage je 100 Versichertenjahre.
2025 sind es 118,6 Tage.
Ein Anstieg von fast 80 Prozent.
Damit sind Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen inzwischen die häufigste psychische Diagnose bei Berufstätigen. Sie verursachen mehr Fehltage als depressive Episoden und stehen unter allen Einzeldiagnosen bereits an dritter Stelle – nur Atemwegsinfektionen und Rückenschmerzen führen zu noch mehr Fehltagen.
Besonders bemerkenswert: 29,5 Prozent aller psychisch bedingten Fehltage entfallen mittlerweile auf diese Diagnosegruppe.
Was belastet uns so sehr?
Natürlich gibt es darauf nicht die eine Antwort. Arbeitsmenge, Überstunden, Konflikte, finanzielle Sorgen und private Belastungen spielen eine Rolle.
Die KKH lenkt den Blick aber auf einen Aspekt unserer modernen Arbeitswelt, der leicht übersehen wird: den „unsichtbaren Stress der Unklarheit“.
Denn Arbeit ist flexibler geworden. Gleichzeitig müssen Beschäftigte immer häufiger selbst aushandeln:
Wann endet mein Arbeitstag? Wie erreichbar muss ich sein? Was hat Priorität? Was darf ich ablehnen? Welcher Kommunikationskanal gilt eigentlich? Und wann ist meine Arbeit „genug“?
Hinzu kommt das sogenannte fragmentierte Arbeiten.
Morgens arbeiten. Mittags einen privaten Termin erledigen. Nachmittags die Kinder betreuen. Abends noch einmal den Laptop aufklappen.
Das kann ein großer Gewinn für die Vereinbarkeit sein. Aber Flexibilität ist nicht automatisch Erholung.
Und Care-Arbeit ist keine Pause.
Wer seine Erwerbsarbeit unterbricht, um Kinder zu betreuen oder Angehörige zu versorgen, wechselt die Aufgabe – nicht automatisch in die Regeneration.
Genau hier wird Burnout-Prävention zur Systemfrage.
Wir können Menschen beibringen, Grenzen zu setzen. Unternehmen müssen aber auch Strukturen schaffen, in denen Grenzen überhaupt möglich sind.
Klare Zuständigkeiten. Klare Prioritäten. Verbindliche Ruhezeiten. Verständliche Kommunikationsregeln. Und eine Führungskultur, in der Nichterreichbarkeit nicht mit mangelndem Engagement verwechselt wird.
Denn vielleicht ist eine der Herausforderungen moderner Arbeit nicht nur, dass wir zu viel arbeiten.
Sondern dass wir immer häufiger selbst herausfinden müssen, wann es genug ist.
Wenn die Fehltage aufgrund von Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen innerhalb von acht Jahren um fast 80 Prozent steigen, sollten wir darüber nicht erst sprechen, wenn aus Belastung eine langfristige Erkrankung geworden ist.
Genau dafür ist Prävention da.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt und redaktionell geprüft.
